Für ein gebührenfreies Studium
„Es kann ja nicht sein, dass die Krankenschwester dem Arztsohn das Studium finanziert...“ so oder so ähnlich äußern sich wohl all diejenigen, die nur oberflächlich von Studiengebühren gehört haben.
Kritiker sagen, dass Studiengebühren demnach gerecht und notwendig seien, da von einem kostenlosen Studium nur die Kinder von Besserverdienenden profitieren würden. Und außerdem könne es ja nicht sein, dass ein Kindergartenplatz viel Geld kostet, wohingegen ein Studium umsonst ist.
Bei diesen Aussagen handelt es sich um Trugschlüsse aller erster Güte. Zwar ist es richtig, dass nur ein Drittel der Studierenden aus sozial schwächeren Familien kommt, was aber noch lange kein Grund ist, diesen Anteil weiter zu reduzieren.
Mit der Einführung von Studiengebühren gleich welcher Form würde nämlich nach dem selektierenden Schulsystem eine weitere unnötige und falsche Hürde aufgebaut. Die Antwort auf die sozial ungerechte Studienplatzverteilung kann und darf nicht sein, dass eine weitere Ausgrenzung betrieben wird und der Anteil von Studierenden aus sozial schwachen Verhältnissen weiter zurückgeht.
Dass Kindergartenplätze Geld kosten ist definitiv ein Problem, da dies vielen Familien große Probleme bereitet. Das ist aber noch lange kein Grund, quasi als gerechten Ausgleich, das Studium mit Gebühren zu belasten. Es wäre völlig falsch, eine Ungerechtigkeit mit einer anderen zu beantworten. Es muss darum gehen, zum Beispiel durch einen Subventionsabbau, auch die Bildung im Kindesalter kostenfrei zu gestalten.
Wir brauchen mehr Studierende und nicht weniger. Deutschland ist als ein rohstoffarmes Land darauf angewiesen, dass möglichst viele studieren, da unsere Wirtschaft zu einem nicht geringen Teil auf Menschen mit einem Studienabschluss angewiesen ist. Deswegen wäre es auch ökonomisch unsinnig, die ohnehin schon niedrige Studierendenquote durch Studiengebühren weiter zu reduzieren.
Bildung für alle
„Die jüngsten Pisa-Ergebnisse haben gezeigt, dass in Ländern wie Bayern der richtige bildungspolitische Weg beschritten wird.“
Zweifellos belegt Bayern in den Pisa-Kriterien einen Spitzenplatz in Deutschland. Das alleine sagt aber noch nichts über die Bildungsqualität aus. Denn auch dort ist die Zahl derjenigen, die keinen Abschluss machen zu hoch. Zudem hängt der schulische Erfolg sehr stark von der sozialen Herkunft ab.
Der Königsweg ist also nicht wie in Bayern schon nach der Grundschule zu selektieren, sondern uns beispielsweise an England oder Skandinavien zu
orientieren. Dort lernen Schüler weitaus länger zusammen und erzielen dabei Ergebnisse, die den deutschen überlegen sind. Ein großer Vorteil ist hier,
dass Schüler, deren Eltern ein niedriges Einkommen beziehen, in einem solchen integrierten System weitaus bessere Chancen haben einen Abschluss zu
machen.
Dabei ist es nicht nur eine zentrale Gerechtigkeitsfrage, dass einem Teil der Gesellschaft momentan die Möglichkeit genommen wird durch Bildung ihren
Lebensstandard zu verbessern. Zudem können wir auch wirtschaftlich gesehen nicht hinnehmen, dass ein Teil der Schüler keinen Abschluss erhält, da wissensbasierte Jobs in Deutschland immer mehr Bedeutung erlangen.
Also müssen auch wir den Weg des gemeinsamen Lernens beschreiten, wenn wir zum einen das Bildungsniveau erhöhen wollen. Zum anderen schaffen wir es im gleichen Zuge die soziale Ausgrenzung der Vergangenheit angehören zu lassen.
Anfragen, Anregungen und Kritik gerne jederzeit an mail@christian-otto.com